Wahlbrunch im Casino

Am 10. September hatte das Quartiersmanagement-Team die Nachbarschaft zum Wahlbrunch ins Casino eingeladen.

Fotos: Birgit Leiß / Webredaktion

Das „Casino for Social Medicine“, wie es vollständig heißt („Casino für soziale Medizin“) ist keine Spielhalle, sondern ein kollektiv betriebenes Café. Seit zwei Jahren gibt es diesen Ort in der Sonnenallee 100. Viele, die an diesem Donnerstag zum Brunch kamen, waren zum ersten Mal hier. „Vorher war hier ein Casino, den Namen haben wir einfach beibehalten“, erklärte Pasha vom Kollektiv. Das Besondere: das Casino wird rein ehrenamtlich betrieben und finanziert sich über den Verkauf von Getränken. Nachdem sich alle bei den belegten Brötchen, Spinatbörek und Tee bedient hatten, erzählte Pasha von der Idee dahinter. „Wir helfen uns gegenseitig bei allen Problemen, zum Beispiel mit der deutschen Bürokratie oder mit dem Krankenkassensystem.“ Außerdem finden hier regelmäßig interessante Veranstaltungen und Treffen statt, etwa Filmvorführungen, Arabischunterricht, die monatliche Kiezversammlung oder ein selbstorganisierter Kunsttherapiekurs. Der Raum kann auch kostenlos von Gruppen genutzt werden. Für die Community aus aller Welt, die hier zusammenkommt, ist Englisch die gemeinsame Sprache. „Aber wir würden in Zukunft auch gerne mehr in anderen Sprachen machen, etwa Türkisch oder Deutsch“, betonte Pasha. Nach dem Auslaufen des QM könnte hier ein neuer Ort sein, wo die Nachbarschaft zusammenkommen und sich austauschen kann.

Das Wahlrecht ist eine Frage des Passes

Am 20. September wird in Berlin bekanntlich gewählt. „Wer von euch darf überhaupt wählen?“, wollte Stefanie Battisti wissen. Sie ist von der Schillerwerkstatt, die die Kiezredaktion der Donauwelle begleitet. Etwa die Hälfe der Finger ging hoch. Das entspricht in etwa dem Durchschnitt im Donaukiez. Stefanie gab zunächst eine kurzen historischen Abriss über das Wahlrecht – ja, es gab Zeiten, wo Frauen nicht wählen durften – und stellte dann das Wahlsystem vor. In Berlin wird die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), sozusagen das Parlament des Bezirks, und das Abgeordnetenhaus gewählt. EU-Angehörige dürfen seit einigen Jahren die BVV wählen, aber ansonsten ist der deutsche Pass die Voraussetzung. „Meine Kinder sind hier geboren, dürfen aber nicht wählen“, meinte eine Teilnehmerin. Auch andere empfanden das als ungerecht.

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Stimme zu erheben

Nicht wählen zu dürfen, heißt aber nicht, dass man nicht in der Gesellschaft mitmischen kann. In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, seine demokratischen Rechte wahrzunehmen. Man kann zum Beispiel in die öffentlichen Sitzungen der BVV gehen und dort Fragen stellen und Probleme vortragen. Man kann auch für eine bestimmte Forderung Unterschriften sammeln und dann einen Einwohner*innen-Antrag in die BVV einbringen. So hat es auch die Initiative Donaukiezblock gemacht – und damit erreicht, dass sich das Bezirksamt Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung überlegen muss. Quartiersmanagerin Ngoc Dinh-Le stellte weitere Möglichkeiten der Beteiligung im Donaukiez vor. Da gibt es zum Beispiel die Aktionsfonds-Jury, wo über die Förderung von Projekten abgestimmt wird. Oder den Quartiersrat, wo man ganz konkret mitentscheiden kann, was schwerpunktmäßig im Quartier verbessert werden soll. Wer sich gegen die Vermüllung im Kiez engagieren will, kann bei der Donaukrake mitmachen. Diese Initiative von Anwohnenden lädt unter anderem jeden letzten Sonntag im Monat zur gemeinsamen Kiezputz-Aktion ein.

Webredaktion