Bildet Banden zum Frauentag!
Quirlige Geschäftigkeit herrschte am 5. März im QM-Büro, denn der Internationale Frauentag stand drei Tage später an - und das sollte entsprechend vorbereitet werden. Zum einen wollten die Frauen sichtbare Zeichen im öffentlichen Raum rund um ihre Nachbarschaft setzen, und zum anderen war eine Demonstration der Stadtteilmütter am 9. März vor dem Brandenburger Tor geplant.
Tradition zunutze machen
An langen Tischen wurde eifrig gehäkelt, dass die Nadeln nur so flitzten. Die Frauen wollten in Handarbeit so viele kleine individuelle Blüten herstellen wie möglich. Sie sollten als Wollanhänger für Schlüssel oder Tasche funktionieren, um sie als sehr persönliches Geschenk auf der Demo zu verteilen. Sozusagen als symbolisches Bindeglied von Frau an jemand anderes. Über einen angehängten QR-Code oder Info-Zettel wurde eine Frauentags-Botschaft mitgegeben. Der Humor ging bei dieser frauentypischen Handarbeit keineswegs unter. „Ich lerne jetzt alle Arten von Blumen zu häkeln, am Montag zur Demo bin ich Profi“, meinte eine Frau belustigt, als sie in die Runde ihrer häkelnden Mitstreiterinnen blickte. Eileen Stephan, die für das Quartiersmanagement den Tag organisiert hatte, erläuterte: „Wir wollen die Handarbeit nicht abwerten, sondern uns die Tradition gezielt zunutze machen und politisch aufwerten“. So sei auch das „Banden bilden!“ bewusst gewählt, um durch dieses Gemeinschaftsgefühl ein Gegengewicht zu patriarchalischen Strukturen zu schaffen. „Die Frauen sollen mit dem Gefühl raus gehen, nicht alleine zu sein“, so Eileen Stephan.
Proteste für Rechte der Frauen
Hinzu kommt, dass man bei Handarbeiten wunderbar entspannt miteinander reden kann. Besonders zum Thema Frauentag ging es in der Runde angeregt hin und her und offenbarte die Verbundenheit der Frauen miteinander. So berichtete eine von ihnen, dass in Rumänien die Frauen früher zum Frauentag Geschenke bekommen haben. „Im Libanon gab es viele Proteste, die für die Rechte der Frauen gekämpft haben“, warf eine Frau aus dem Libanon dazu ein. „Nur weil wir wählen dürfen, haben wir nicht die gleichen Rechte!“, entgegnete eine andere. Woraufhin eine weitere ergänzte: „Wir haben Rechte, aber nicht so, wie wir wollen!“ Am Frauentag sollte also nicht nur gefeiert werden, sondern es ging auch um den feministischen Kampftag.
Zöpfe als Symbol des Widerstands
Für die Demo wurden an anderen Tischen die entsprechenden Plakate gebastelt. Hier dominierte - genauso wie bei den Wollanhängern - die Farbe Lila, die als feministische Signalfarbe gilt. Mit viel Hingabe wurden verschiedene Parolen zum Frauentag auf die Pappen gepinselt. Anschließend kam noch ein Stock hinten an das Plakat, um das Schild am Brandenburger Tor auch richtig hochhalten zu können. Direkt in der Nachbarschaft rund um die Donaustraße wollten die Frauen dagegen Stoff- Zöpfe als sichtbares Zeichen für feministische Power und Frauenverbindung aufhängen. Aus alter Kleidung wurden Stoffstreifen geschnitten, die die Frauen anschließend zu kurzen Zöpfen flochten. „Zöpfe gelten weltweit als Symbol des Widerstands“, erklärte Eileen Stephan den Hintergrund. Die Bedeutung gehe zurück auf Frauen aus der Region Rojava, die Widerstand leisteten, während sie ihre kulturelle Identität durch ihre Frisur bewahrten. Draußen im Kiezgarten waren zum Abend hin schon die ersten Zöpfe zu sehen, die zwischen einer Bildergalerie hingen. Die kleine Freiluft-Ausstellung versammelte wichtige historische Frauen mit ihren Biografien, die alle auf die eine oder andere Weise mit Neukölln verbunden waren – und verleitete die eine oder andere Betrachterin bestimmt zu der Überlegung, ob sie sich in Zukunft auch in diese Ahnengalerie wird einreihen können.
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