Bewegungslust und Drogenfrust

Der Quartiersrat ließ sich „Donaukids in Aktion“ vorstellen, musste einen erneuten Brand zur Kenntnis nehmen und informierte sich über die Neuköllner Drogenprävention.

Foto: Jens Sethmann

Mit einer umfangreichen Tagesordnung traf sich der Quartiersrat des Donaukiezes am 30. Mai im Nachbarschaftstreff beim Verein Sivaslı Canlar in der Donaustraße 102.

Wochenend-Sport auf dem Schulhof

Zunächst berichtete Hannah Nacken vom Verein bwgt e.V. über den Start des neuen Projekts „Donaukids in Aktion“. „Das ist ein offenes Bewegungsangebot für Kinder und Jugendliche“, erklärt Hannah Nacken. Weil es im Donaukiez keine öffentlichen Freiflächen gibt, wurden dafür die Schulhöfe geöffnet. Unter der Woche ist bwgt e.V. nachmittags mit Spiel- und Sportangeboten an der Rixdorfer Schule und der Theodor-Storm-Grundschule – finanziert vom Jugendamt Neukölln.

Das Quartiersmanagement-Projekt „Donaukids in Aktion“ ermöglicht darüber hinaus auf dem Hof der Rixdorfer Schule Angebote an den Wochenenden und in den Ferien. „Wir haben die Kinder gefragt, was sie am liebsten machen würden“, berichtet Hannah Nacken. Das Ergebnis: Sonnabends von 15 bis 18 Uhr wird Skateboard gefahren, Sonntags von 11 bis 14 Uhr stehen Akrobatik und Parkour auf dem Programm. Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos und ohne Anmeldung. Das Projekt läuft bis Ende 2026.

Donaueck erneut abgebrannt

Leider ist das Donaueck, die Tausch- und Info-Säule im Kiezgarten, Mitte Mai zum zweiten Mal in Brand gesetzt worden. Es ist vollständig abgebrannt, auch der daneben stehende Baum ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Quartiersmanagement hat sich deshalb schweren Herzens entschieden, kein neues Donaueck aufzustellen, und bittet darum, keine Kleidung oder Bücher im Kiezgarten abzulegen, sondern diese zu spenden.

Was tun gegen Drogenkonsum?

Der zunehmend offene Drogenkonsum macht den Quartiersratsmitgliedern Sorgen. Deshalb waren Lilli Böwe, Suchthilfekoordinatorin des Bezirks Neukölln, und Erkan Sengül, Präventionsbeauftragter des Polizei-Abschnitts 54, im Quartiersrat zu Gast.

„Ich bin dazu da, Beschwerden entgegenzunehmen“, erklärt Lilli Böwe. So kann sie erkennen, wo Schwerpunkte sind und entsprechend die Straßensozialarbeitenden koordinieren. Ziel ist es, die Drogenkonsumierenden in die stationären Einrichtungen zu lotsen. In der Karl-Marx-Straße 202 gibt es den Drogenkonsumraum „Druckausgleich“. Außerdem hat der Bezirk ein Drogenkonsummobil. „Wir hätten gern einen zweiten Drogenkonsumraum in Neukölln“, sagt Lilli Böwe. „Wir haben sogar das Geld dafür, aber es ist keine Immobilie zu finden.“

Die teilweise sichtliche Verelendung der Drogennutzenden belastet auch die Nachbarschaft. Fixpunkt hat eine empfehlenswerte Broschüre für den Umgang mit Drogenkonsumierenden herausgegeben. „Wenn sich die Situation der Konsumierenden verbessert, dann verbessert sich auch die Situation der Anwohnenden“, sagt Lilli Böwe. Dem Eindruck einer Quartiersrätin, die Dealer könnten ungehindert ihrem Geschäft nachgehen, widerspricht Erkan Sengül: „Wir nehmen jeden Tag Betäubungsmittelhändler fest.“ Zu sehen, dass immer wieder dieselben Händler an denselben Stellen stehen, sei aber zugegebenermaßen frustrierend.

Ausblick auf den Abschlussplan

Letztes Thema des Abends war der Abschlussplan, der im Hinblick auf die Beendigung des Quartiersmanagements geschrieben werden muss. „Darin sollen die Maßnahmen enthalten sein, die bis 2027 durchgeführt werden sollen“, erklärt Quartiersmanagerin Vanessa Machowetz. Was soll bis 2027 erreicht werden? Was wird dafür gebraucht? Diese Fragen hat der Quartiersrat schon einmal in einer kleinen Zukunftswerkstatt bearbeitet. Im Rahmen eines kleinen Sommerfestes kommt er im Juli mit dem Quartiersrat des benachbarten Flughafenkiezes zusammen. Das Quartiersmanagement Flughafenstraße wird ebenfalls 2027 beendet. Auch ein Mitglied des ehemaligen Quartiersrats Schöneberger Norden ist eingeladen, um zu berichten, wie dort das Nachbarschaftsengagement nach der Aufhebung des Quartiersmanagements aufrecht erhalten wurde.

Der Entwurf des Abschlussplans soll Ende Juli an die Quartiersratsmitglieder gehen. So ist noch genug Zeit zur Diskussion, bevor der Plan im November vom Quartiersrat abgesegnet wird. Im Februar 2025 soll der Abschlussplan dann vom Bezirk und vom Senat offiziell beschlossen werden.

Webredaktion