Zwölf Zutaten ergeben eine leckere Mischung

Das Aschura-Fest vor dem Rathaus Neukölln am 13. Juli war trotz des unfreundlichen Wetters gut besucht.

Fotos: Birgit Leiß / Webredaktion

Pünktlich zu Beginn um 13 Uhr hörten die Regenschauer auf. „Ich habe die ganze Nacht gebetet“, scherzte ein Mitglied aus dem Verein Sivasli Canlar. Der Verein hat seine Räume um die Ecke, in der Donaustraße 102 und ist war von 2020-2024 auch Träger des dortigen Nachbarschaftstreffs. 2017 hatte der Vereinsvorsitzende Cemal Boyraz die Idee, das Fest in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, genauer gesagt auf den Rathausvorplatz „Wir freuen uns, dass wieder so viele Menschen gekommen sind“, sagte Cemal Boyraz in seiner Eröffnungsrede. Mitglieder aus der alevitischen und türkischen Community, Menschen aus der Nachbarschaft, zufällig Vorbeigehende, Vertreter*innen aus der Politik und Obdachlose – sie alle waren eingeladen, mitzufeiern und gemeinsam die Aschura-Suppe zu löffeln.

Suppe oder Süßspeise? Hauptsache lecker!

Aschura (manchmal auch Aşure oder Aşure geschrieben) ist eines der wichtigsten Feste der alevitischen Glaubensgemeinschaft. Es beendet die zwölftägige Fasten- und Trauerzeit um den Heiligen Hüseyin und wird traditionell mit der ganzen Familie und Nachbarschaft gefeiert – so auch an diesem Sonntag in Neukölln. Im Mittelpunkt steht die gleichnamige Süßspeise. Oder ist es eher eine Suppe? Egal, jedenfalls ist sie eher süßlich und besteht aus zwölf Zutaten, wie die Vereinsfrauen beim Einschenken in die zahlreichen Schüsseln erzählen. Bereits am Vortag hatten sie in den Vereinsräumen mit den Vorbereitungen begonnen. Unzählige Granatäpfel wurden geöffnet und Berge von Trockenfrüchten und Nüssen gehackt. Was am Ende übrig blieb, wurde wie immer an Obdachlose gespendet. Das Teilen mit Armen ist ein wichtiger Bestandteil von Aschura.

Gegen Spaltung, für ein Miteinander

„Dieses Fest ist ein Riesen-Erfolg und setzt hier in der Mitte von Neukölln ein Zeichen gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Hakan Demir. Auch Cemal Boyraz betonte, dass das Fest für Vielfalt und Solidarität stehe: „Wie Neukölln besteht auch die Suppe aus vielen Zutaten, nur zusammen ergeben sie den besonderen Charakter.“ Nach den Reden, unter anderem auch vom langjährigen Linken-.Abgeordneten Hakan Taş sprach der Imam ein kurzes Gebet. Anschließend konnte sich alle eine Schüssel von der gehaltvollen Speise nehmen und, begleitet von Live-Musik, miteinander ins Gespräch kommen.

Das Fest wurde, wie schon in den Vorjahren, über den Aktionsfonds des Quartiersmanagements Donaustraße-Nord unterstützt.

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