Im Donaukiez ist kein Platz für Gewalt gegen Frauen!
Im Mittelpunkt stand an diesem Dienstagvormittag das Thema Partnergewalt. Vom 25. November, dem internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, läuft nämlich jedes Jahr die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Doch zuerst waren alle Nachbar:innen eingeladen, sich am reichhaltigen Büfett zu bedienen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Quartiersmanagement-Team hatte ein tolles Frühstück vorbereitet, mit Brötchen, Käse, Rohkost, selbst gebackenem Kuchen und Tee aus dem Samowar.
Angst vor den Folgen einer Trennung
Die ersten beiden Gäste, die von ihrer Arbeit berichteten, waren Nuriye und Busra von der Beratungsstelle UĞRAK für türkischsprechende Frauen. Es gibt sie bereits seit über 40 Jahren. „Wir beraten zu allen möglichen sozialen Themen, häusliche Gewalt ist nur ein Teil“, erklärte Nuriye. Oft stelle sich erst im Laufe des Gesprächs heraus, dass die Frau von ihrem Mann kontrolliert oder gar geschlagen wird: „Viele kennen ihre Rechte nicht und haben Angst, dass sie bei einer Trennung das Sorgerecht für die Kinder verlieren oder Probleme mit dem Aufenthaltsstatus bekommen.“
Eine gute Nachbarschaft kann Leben retten
UĞRAK kooperiert auch mit StoP Neukölln, einem Präventionsprojekt das sich den Teilnehmerinnen des Frühstücks als nächstes vorstellte. StoP steht für „Stadtteile ohne Partnergewalt“ und genau darum geht es bei dem bundesweiten Modellprojekt, wie die beiden Koordinatorinnen Iza Lammaghi und Felicia Scheuerecker erklärten. Denn Gewalt an Frauen spielt sich meist im häuslichen Umfeld ab. Wer in seiner Nachbarschaft mitbekommt oder den Verdacht hat, dass eine Frau Gewalt erlebt, ist oft unsicher, was zu tun ist. „Die vorherrschende Meinung ist, das sei irgendwie Privatsache und da wolle man sich nicht einmischen. Das wollen wir ändern“, so Felicia Scheuerecker. Ob man die Polizei ruft oder selber einschreitet, hänge von dem Umständen ab. Aber wichtig sei es, die Situation zu unterbrechen und da reicht es schon, an der Wohnungstür zu klingeln und zum Beispiel nach Mehl zu fragen. StoP ist in vier Berliner Stadtteilen aktiv, beteiligt sich an Protestaktionen und macht bei Veranstaltungen und Festen auf das Thema aufmerksam. „Ein Ziel ist es auch, den Zusammenhalt zu fördern, denn wenn man sich in der Nachbarschaft kennt, schreitet man eher ein“, betonte Iza Lammaghi.
Das blaue Auge ist nicht die einzige Form der Gewalt
Gewalt umfasst nicht nur körperliche Misshandlung. „Das fängt viel früher an, nämlich dann wenn die Partnerin kontrolliert, bevormundet und in ihren Sozialkontakten eingeschränkt wird“, erklärte Iza Lammaghi. Im schlimmsten Fall kann das in einem Femizid enden. Über 100 Frauen werden jedes Jahr in Berlin von ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Partnergewalt zieht sich durch alle sozialen Schichten und hat auch nichts mit kultureller oder religiöser Zugehörigkeit zu tun. Es geht um Kontrolle und Machtausübung.
Ein Femizid ist kein Familiendrama
Anschließend entwickelte sich noch eine lebhafte Diskussion über die Ursachen. Alle waren sich einig: es fängt schon in der Kita und im Elternhaus an. Rollenzuschreibungen wie der „starke Junge“ und das brave, fügsame Mädchen sind Teil des Problems. Auch verharmlosende Berichterstattungen über Femizide als „Beziehungstat“ oder „Eifersuchtsdrama“ tragen leider zur Akzeptanz von Gewalt bei.
Zum Schluss wurde im Kiezgarten eine Bank mit der Aufschrift „Hier ist kein Platz für Gewalt an Mädchen* besprüht. Solche Bänke stehen an mehreren Orten im öffentlichen Raum, etwa am Richardplatz.
BIG Hotline, telefonische Beratung für Frauen bei häuslicher Gewalt (mehrsprachig):
030-611 03 00
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