Ankommen im Neuköllner Kiez

Vor kurzem wurde die Unterkunft für Geflüchtete in der Sonnenallee 47-49 von ukrainischen Flüchtlingen bezogen. Auf einem Willkommensfest am 20. November wurden erste Kontakte in die neue Umgebung geknüpft.

 

alle Fotos: Schuster

Ein Stand mit leckerem Borschtscht und heißen Getränken empfing die Bewohner:innen der Geflüchteten-Unterkunft (GU) im Innenhof der Sonnenallee 45-47. „Wir haben extra ein ukrainisches Rezept rausgesucht und gestern noch wie verrückt geschnippelt“, erzählte Christine Skowronska von der Mobilen Stadtteilarbeit. Zwei Ukrainerinnen, die vom Borschtsch genommen hatten, lobten den Eintopf übereinstimmend: „Lecker!“ Der Stand bildete den kulinarischen Anlaufpunkt einer Willkommensveranstaltung, auf der sich ukrainische Geflüchtete über die unterschiedlichen Beratungs-, Sozial- und Freizeitangebote informieren konnten, die es im Kiez gibt. „Wir wollen den Ankommensprozess der Unterkunft im Stadtteil unterstützen“, erläuterte Eric Friedewald von der Stadtteilkoordination Reuterstraße den Hintergrund der Veranstaltung. Zum einen sei an zwei vorangegangenen Stammtischen von Anwohner:innen der Wunsch geäußert worden, mit den Bewohner:innen der GU in Kontakt zu treten. Außerdem gebe es eine gut vernetzte Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil sowie mehrere Beratungsprojekte, die sich einbringen könnten.

Stammtisch trifft Sprachschüler:innen

Auf dem Stammtisch hatten sich zum Beispiel Daniel und Sedona getroffen, die nun in einem großen, hell erleuchteten Raum der GU an einem Tisch saßen und über die Initiative „Need4Deed“ („Es braucht Taten“) ein ehrenamtliches Sprachcafé anboten. „Schon drei Leute wollen Deutsch lernen und haben sich angemeldet“, bilanzierte Daniel nach einer halben Stunde. Beim Erstkontakt halfen die anwesenden Sprachmittler:innen. „Wir hoffen, dass unser Sprachcafé dann hier in der Unterkunft stattfinden kann“, erinnerte Sedona an die strikten Zugangsregeln der GU. Denn diese dürfen an normalen Tagen eigentlich nur Bewohner:innen betreten.

Ein paar Tische weiter präsentierte sich unter mehreren anderen Projekten „buntkicktgut“, das für seine aufsuchende Kinder- und  Jugendsozialarbeit den Fußball als verbindendes Element nutzt. „Auf den Bolzplätzen im Käfig sind wir zum Beispiel zu finden“, sagte Marc Nutsch, einer der Verantwortlichen. „Wir gucken, wo im Stadtteil Bedarfe sind und treten in Kontakt mit den Jugendlichen.“ Ziel sei es, diese zu empowern und auf ihrem Weg zu begleiten. Auch „Gangway“, ein Projekt für aufsuchende Straßensozialarbeit in Berlin, war vor Ort und machte auf seinen Support aufmerksam, der auf die Altersgruppe der 12- bis 27-Jährigen abgestimmt ist.

Nagellack als Erstkontakt

Gezielt die Gruppe der Mädchen und weiblichen Jugendlichen sprach „rosa44“ an, das gerade einen Mädchen*laden in der Hobrechtstraße 83 neu eröffnet hat – ideal gelegen, weil er nur 5 bis 10 Minuten zu Fuß von der GU entfernt ist. „Einige Mädchen waren heute schon da“, berichtete Marie Grolms, eine der drei Sozialarbeiterinnen des Treffs. Man habe zunächst die Namen ausgetauscht und die Eltern mit Flyern versorgt. „Die Mädchen können gemeinsam in unseren Laden kommen, wir bieten einen sicheren Ort“, betonte Marie. Und da eine Kollegin von ihr auch Russisch spreche, könne man sich bestimmt verständigen. Die kleine Ansammlung bunter Nagellacke auf Maries Info-Tisch verbreiteten ausgesprochen gute Laune. Man konnte sich die Nägel lackieren und unter UV-Licht aushärten lassen. „Wir haben natürlich auch andere Angebote für die Mädchen“, ergänzte Marie. „Das hier ist zur ersten Kontaktaufnahme gedacht.“

Keine langen Schlangen

Das Quartiersmanagement Donaustraße-Nord engagierte sich ebenfalls auf der Willkommensveranstaltung. Zusammen mit Sarah Hannusch vom gerade neu angelaufenen Quartiermanagementprojekt „Strukturen des Ehrenamtes im Donaukiez stärken“ teilte man sich einen Info-Tisch. „Wir machen unter anderem ganz praktisch auf unser Ausleih-Sortiment aufmerksam“, sagte Quartiersmanagerin Nesrin Demir. Flyer auf Ukrainisch und Deutsch luden zum „Lebendigen Advent“ am 3. Dezember ein.  Auch der Donauviertel-Stadtplan mit seinem Verzeichnis der Kiezangebote half bei einer ersten lokalen Orientierung und konnte mitgenommen werden. Sarah Hannusch wollte sich zunächst erst einmal umhören, welchen Bedarf es rund ums Ehrenamt gibt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele gerne engagieren wollen“, meinte sie. Dann sei es anschließend manchmal eher eine Frage von genügend Einsatzstellen, wo man sich auch ohne Deutschkenntnisse ehrenamtlich einbringen könne.

Naturgemäß rege frequentiert war der Infopunkt des Vereins LARU HELPS ukraine, der den Ukrainer:innen beim Papierkram mit den deutschen Ämtern hilft. Die Meisten hatten gleich ein amtliches Schreiben dabei und nutzten die günstige Gelegenheit, denn normalerweise gibt es lange Schlangen vor dem Beratungszentrum in Treptow-Köpenick. „Viele kennen und schon seit 2022“, berichtete Projektkoordinatorin Darina Zaretskaya. Man habe über 10.000 Follower auf Instagram. „Inzwischen bieten wir auch eine Beratung zu ukrainischen Rechtsfragen an“, beschreibt sie den wachsenden Bedarf.

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